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Filou


    Filou ist jetzt drei Wochen bei uns und hat sich schon gut eingelebt. Am Anfang war er noch sehr ängstlich, trotzdem aber immer bereit, neue Situationen vorsichtig zu erkunden. Nur gibt es so viele neue Situationen für ihn und jeden Tag etwas neues zu lernen. Gleich am ersten Tag, noch in der Firmenzweigstelle auf Mallorca, lernte er, dass man Telefonkabel zwar durchnagen kann, es aber besser nicht tun sollte (schon um die Nerven seiner neuen Menschen zu schonen, deren erste Amtshandlung es in Hamburg war, sämtliche Kabel auszustöpseln und zu verstecken). Am Flughafen in Hamburg angekommen erfuhr er, dass es noch mehr Menschen (genauer gesagt eine ganze Grossfamilie) gibt, die ihn in Zukunft betüddeln wollen, und dass die Welt voller Autos, Menschen und anderer seltsamer Dinge ist. Abends lernte er noch, dass Hunde wider Erwarten nicht mit den Menschen in einem Bett schlafen (ausser, sie passen die Tiefschlafphase morgens ab, wenn Menschen zu kraftlos sind, um einen Hund aus dem Bett zu befördern). Was er allerdings sofort wusste war, dass man nicht in die Wohnung macht. In den folgenden Tagen lernte er unter anderem, dass die flauschige Decke wirklich für ihn ist (zuerst hat er sich immer nur vorsichtig an den Rand gelegt), und dass er das Fressen in seinem Napf beruhigt fressen kann, weil seine Menschen es ihm bestimmt nicht wieder wegnehmen werden. Er lernte, dass es alle möglichen Arten von Menschen gibt (mit Stöcken, mit Kinderwagen, mit Taschen, mit Fahrrädern usw.), dass sie aber alle harmlos sind, dass die Küchenarbeitsplatte nicht auf den Hinterbeinen stehend erkundet werden darf, dass man Treppen runter und wieder hoch gehen kann und wie man U-Bahn fährt. Ausserdem hat er gelernt, dass es so etwas wie „Besuch“ gibt, von dem man mit einiger Sicherheit Leckerlies erwarten kann, dass man als Hund aber nicht auf der Couch liegen und gleichzeitig knurrend und bellend die Wohnung bewachen darf (obwohl das zugegeben der beste Platz wäre, wenn wir nicht darauf bestehen würden, dass nur wir die Verteidigung des Territoriums übernehmen).  Grade  hat er gemerkt, dass er Hunde, die ihn zu sehr bedrängen, einfach anknurren kann, und dass sie dann weggehen. Bisher ist er in solchen Situationen lieber weggerannt oder hat sich hinter uns versteckt. Wir sind überzeugt, dass er bald auch mit anderen Hunden spielen wird, denn er möchte ja gern toben, bloss geht das mit Menschen nur sehr eingeschränkt  (wir können einfach nicht so toll hopsen und eine Drehung im Sprung sieht bei uns auch eher albern aus).  Filou beginnt auch langsam zu begreifen, dass es in Ordnung ist und gern gesehen wird, wenn er ein Spielzeug ins Maul nimmt, das seine Menschen vorher in der Hand hatten. Er sieht das aber noch immer als sehr riskantes Manöver.  Dafür hat er seine eigenen Hobbys: zuallererst natürlich ausgiebiges Wälzen (meist im Gras, das scheint eine ganz neue und aufregende Erfahrung für ihn zu sein), dann natürlich die gründliche Prüfung aller verfügbaren Textilien inklusive des Sofabezuges, Jacketts und der Teppiche (wir wollten schon immer mal wissen, wie beiss-, reiss- und kratzfest das alles ist, und ob es sich gut an der Hundeschnauze anfühlt!). Und obwohl er bei Spielzeugen vorsichtig ist, schleppt er gern Dinge weg, die wir häufig in der Hand hatten, so wie z.B. Plastikflaschen oder die Fernbedienung. Er verbringt auch gern viel Zeit damit, seinen Schlafplatz (mit der erwähnten flauschigen Decke) umzudekorieren, damit es auch wirklich gemütlich ist. Man kann an seiner ganzen Körperhaltung und an seinem Augenausdruck sehen, dass Filou sich langsam entspannt. Er darf daher in Hundeauslaufgebieten ohne Leine laufen, auch weil er Kaninchen nur anzeigt, aber glücklicherweise nicht hetzt. Wir werden langsam beginnen können, ihm „Sitz“ und „Platz“ auf Kommando beizubringen (er macht das jetzt schon, um gelobt zu werden, nur eben nicht auf Kommando). Er kann schon „Komm“ und Anspringen auf Kommando, und er geht inzwischen in die Richtung, die man ihm mit dem Arm anzeigt. Allerdings ist es nicht einfach, ihm etwas mit der Hand zu zeigen, weil er einem immer ins Gesicht guckt. Er versucht eben alles richtig zu machen. Er ist ein toller Hund, und wir sind sehr glücklich, dass wir ihn zu uns holen konnten. 
     

 (5/08)

Webmaster: Peter Gutzwiller, letztes Update am Mittwoch, 11. März 2009